Thema: Soziolinguistische Situation in Österreich

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Soziolinguistische Situation in Österreich
17.07.2006 von sokol

Soziolinguistische Situation in Österreich
17.07.2006 von sokol

Ich habe Doc eine Einführung in die Soziolinguistik in Österreich vesprochen, sehe aber jetzt beim Schreiben, dass das in einem Forumsbeitrag schlicht den Rahmen sprengen würde; daher wirklich nur ganz kurz einige Aspekte herausgegriffen, die zur Diskussion anregen sollen - grundsätzlich ist Soziolinguistik die Wissenschaft von den Zusammenhängen zwischen sprachlicher und sozialer Situation.

Es wäre auch verfänglich, eine kurze Darstellung meines Eindrucks der Situation in Österreich zu schildern, weil das a) die Mitleser beeinflussen würde und b) das die Diskussion in eine Sackgasse manövrieren könnte.

Ausserdem fürchte ich, zum agent provocateur zu werden.
Daher hab ich viele mühevoll zusammengestellte Fragen & Definitionen für diesen Beitrag ersatzlos gestrichen.

Ich stelle nur eine kurze, knappe Frage (naja, "eigentlich" 3 Fragen):
Wie steht ihr persönlich zum Dialekt, wann sprecht ihr warum Dialekt, welchen Stellenwert hat er für euch und in eurer (Heimat)-Region bzw. auch "Exilregion" (das wäre für mich, der ich Mühlviertler bin, Wien)?

Re: Soziolinguistische Situation in Österreich
17.07.2006 von doc

Ich habe Doc eine Einführung in die Soziolinguistik in Österreich vesprochen, sehe aber jetzt beim Schreiben, dass das in einem Forumsbeitrag schlicht den Rahmen sprengen würde; daher wirklich nur ganz kurz einige Aspekte herausgegriffen, die zur Diskussion anregen sollen - grundsätzlich ist Soziolinguistik die Wissenschaft von den Zusammenhängen zwischen sprachlicher und sozialer Situation.

Es wäre auch verfänglich, eine kurze Darstellung meines Eindrucks der Situation in Österreich zu schildern, weil das a) die Mitleser beeinflussen würde und b) das die Diskussion in eine Sackgasse manövrieren könnte.

Ausserdem fürchte ich, zum agent provocateur zu werden.
Daher hab ich viele mühevoll zusammengestellte Fragen & Definitionen für diesen Beitrag ersatzlos gestrichen.


Akeptiert.


Ich stelle nur eine kurze, knappe Frage (naja, "eigentlich" 3 Fragen):
Wie steht ihr persönlich zum Dialekt, wann sprecht ihr warum Dialekt, welchen Stellenwert hat er für euch und in eurer (Heimat)-Region bzw. auch "Exilregion" (das wäre für mich, der ich Mühlviertler bin, Wien)?

Für mich (ganz formlos):
1)
Wie steht ihr persönlich zum Dialekt?
Ja gut, das unterscheidet uns von den Piefkes und Preussen.
Ist zwar sehr verallgemeinert, da es auch in Deutschland viele und
auch gutklingende Dialekte gibt.
Der grosse Nachteil ist aber: Für nicht Deutschsprechende ist das Erlernen
der deutschen Sprache bei uns sehr schwer.
Oft sind die Leute dazu nicht einmal bereit, mit diesen halbwegs ein Hochdeutsch zu sprechen. Verfolgen einer einheimischen Diskussion
ist sowieso beinahe nicht möglich.
Das würde vielleicht für uns auch z.B. für Wales oder Schottland gelten.
2) wann sprecht ihr warum Dialekt
Wann? Wenn immer es möglich ist.
Warum? Weil es cool ist. Ich glaube, dass viele Unterhaltungen oder
auch Witze nur halb so lustig sind, wenn sie in Hochdeutsch abgehalten würden.
3) Welchen Stellenwert hat er für euch und in eurer Heimatregion?
(Traun bzw. Hausruckviertel). Ich denke einen ziemlich hohen. Es gibt einige deutsche Gastarbeiter oder Saisonarbeiter. Nicht einmal da geht
man herunter. Auch die Deutschen meist nicht. So redet jeder einfach weiter, wie sie es gewohnt sind.

Re: Soziolinguistische Situation in Österreich
17.07.2006 von sokol

@doc: Danke einmal, ich würde deine Angaben übrigens auch als typisch für Oberösterreich einstufen, d. h. du sagst für Traun/Hausruckviertel:
1) für dich ist Dialekt ein wichtiger Punkt der österreichischen Identität, das heisst also etwa auch in punkto Abgrenzung von Deutschland
2) Dialekt ist für dich und dein Umfeld die Sprache des täglichen Umgangs in fast allen Situationen, auch gegenüber Ausländern - ausser vielleicht, wenn dann wirklich keine Verständigung mehr möglich ist
3) Dialekt ist cool, also weder veraltet noch altmodisch
(falls du willst, dass ich diese Formulierungen in irgendeinem Punkt ändere, dann bitte Info !!! wird dann natürlich prompt erledigt)

Ich weiss aber definitiv, dass diese Aussagen in dieser Form keinesfalls für alle Österreicher & ganz Österreich zutreffen.
Andere Meinungen?

(es geht mir nicht um "gut/schlecht" - sondern um eine Bestandsaufnahme; ich werde andere Meinungen nicht nach "gut/schlecht" bewerten, kann aber natürlich nicht garantieren, dass das vielleicht andere User machen)

Re: Soziolinguistische Situation in Österreich
18.07.2006 von doc

zu 1) Ja, das sehe ich so.

zu 2) Auch. Ich meine, (fast) alle können eh hochdeutsch sprechen, und
das wird halt (von mir zumindest) dann angewandt, wenn es sein muss
oder wenn die GesprächsparterIn es nicht verstehen könnte.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Deutsch unseren Dialekt schnell (mit bisschen guten Willen) verstehen.

zu 3) Auch das hast du richtig wiedergegeben. Manchmal suche ich richtig
nach einem Mundartwort statt das "deutsche" zu nehmen.

Das trifft sicher nicht auf alle Österreicher zu, besonders nicht auf Wiener,
und da speziell die jüngere Generation, glaube ich, und ebenfalls "bessere"
oder "gebildete" bzw. wohlhabende Leute, oder die glaube, sie seien es.

18.07.2006 von System1

Besonders in Ost- und Südostösterreich, speziell in Wien und Graz, sind die Verhältnisse zweifellos andere, vor allem aber sind sie dort nicht so einheitlich; darum möchte ich an dieser Stelle auch (jedenfalls noch) keine Beschreibung der (zB) Wiener Situation liefern.

Re: Soziolinguistische Situation in Österreich
18.07.2006 von Russi-4


Ich stelle nur eine kurze, knappe Frage (naja, "eigentlich" 3 Fragen):
Wie steht ihr persönlich zum Dialekt, wann sprecht ihr warum Dialekt, welchen Stellenwert hat er für euch und in eurer (Heimat)-Region bzw. auch "Exilregion" (das wäre für mich, der ich Mühlviertler bin, Wien)?


Dann äußere ich mich auch gleich mal (meine rein persönliche Meinung - als Mostviertler der seit ewigen Zeiten in D lebt).

zu 1 (wann): Spreche ich wann immer möglich, derzeit hauptsächlich mit meinen Kindern, sonst schön hochdeutsch (soweit das meine Aussprache zulässt )

zu 2 (warum): Es ist jene Ausdrucksweise die für mich persönlich am natürlichsten ist. Damit kann ich mich am klarsten ausdrücken. Ausserdem zeigt es (positiv) woher ich komme und wo ich zugehörig bin. Ich finde es wichtig auch sprachlich eine Wurzel zu haben. Zu Hause (in Ö) geht es ohne Dialekt sowieso nicht (ausser man will sich gezielt als anders kennzeichnen).

zu 3(Stellenwert): Für mich persönlich wichtig aber nicht entscheidend. Ich spreche ca. 90% hochdeutsch und finde das in Ordnung. Prinzipiell starte ich hochdeutsch los und gehe nur dann zum Dialekt über wenn der andere das auch macht. Verständnis vor Dialekt - sonst würde ich wohl hier auch nicht weit kommen.

Bemerkung: Ich finde es übrigens interessant, dass mein Englisch im Ausland üblicherweise nach ein paar Sätzen sofort auf Österreich (und nicht D oder CH) schliessen lässt (und ich behaupte mein Englisch ist recht gut). Das zeigt, dass Dialekt weit mehr als nur Wörter sind.

Gruss Roland

Re: Soziolinguistische Situation in Österreich
18.07.2006 von sokol

@Roland: deine Sichtweise aus der Perspektive von jemandem, der im Ausland lebt, ist auch sehr interessant!
Dass du mit deinen Kindern Dialekt sprichst, zeigt auch eine starke Identifikation damit, auch wenn du selbst sagst, dass Dialekt für die Identität nicht das alleinige und/oder entscheidende Merkmal ist.

Naja. Um dem ganzen auf die Sprünge zu helfen: in Ost- & Südostösterreich sind die Verhältnisse anders; besonders in den Ballungsräumen Wien und Graz, aber auch anderswo.
Dialekt (oder sagen wir vielleicht "bestimmte Dialekte", in Wien wäre das die "Sprache der Arbeiter", fachsprachlich "Soziolekt") hat dort auch eine deutlich wahrnehmbare soziale Bedeutung: man erkennt an der Sprache bis zu einem gewissen Grad eine soziale Schichtzugehörigkeit (oder besser: nicht unbedingt "Zugehörigkeit", sondern eher "Identifikation" mit einer bestimmten Schicht.)

Dasselbe gibt es ansatzweise auch in ländlichen, dialektal geprägten Regionen, nur dass man da wirklich schon sehr genau hinhören muss (bzw. klassifizieren manche Leute andere intuitiv als "Bauern" ab aufgrund gewisser sprachlicher Eigenheiten, ohne dass ihnen das direkt bewusst ist - um ein simples Beispiel zu nennen).

Da du in Deutschland lebst, wirst du diese soziolektale Variation aus eigener Anschauung sicherlich recht gut kennen.
Das sollte eigentlich am "Beginn" einer soziolinguistischen Betrachtung stehen.
Weitere Wortmeldungen?

LG Hermann

Re: Soziolinguistische Situation in Österreich
19.07.2006 von HeleneT


1. Wie steht ihr persönlich zum Dialekt,
2. wann sprecht ihr warum Dialekt,
3. welchen Stellenwert hat er für euch und in eurer (Heimat)-Region bzw. auch "Exilregion" (das wäre für mich, der ich Mühlviertler bin, Wien)?


1. positiv
2. ursprünglich Meidling mit dem typischen „l“ das weit hinten gesprochen wird. Starke NÖ-Einschläge seitens der Groß-Eltern, Kremser-Gegend und die alten, gepflegten Ausdrücke der Großtante, die als Köchin bei der „Herrschaft“ gearbeitet hat.
Ich spreche im Alltag grundsätzlich Dialekt, Wiener Dialekt, gespickt aber auch mit „neudeutschen“ Ausdrücken -> Amerikanismen.
Sprache ist für mich ein Hobby und wird langsam zum Beruf wo ich Dialekt als Stilmittel verwende, siehe auch http://www.die-helene.de/Gschichtln/kreisverkehr.h...
Ich spreche nur dann keinen Dialekt wenn Gefahr besteht nicht verstanden zu werden.
3. Dialekt ist für mich einfach Lebensqualität. Er bereichert die Ausdrucksmöglichkeiten. Bin gerade dabei einen Text zu schreiben:
Dialekt – 1:1 Übersetzung – Hochdeutsch.
Der Hochdeutsche Teil ist einfach nur fad und farblos.
Im Ausland ist der interne Dialekt-Dialog die Möglichkeit der Kommunikation ohne von Umstehenden verstanden zu werden, also ein hervorragend Mittel zur Abgrenzung.
So gesehen, Dialekt ist ein Stück Heimat, egal wo man sich gerade befindet.

Re: Soziolinguistische Situation in Österreich
19.07.2006 von Russi-4

Dialekt ist ein Stück Heimat, egal wo man sich befindet.

Was für ein Satz, ein Traum, den werde ich mir merken um "Dialekt" schnell und kurz zu erklären.

Re: Soziolinguistische Situation in Österreich
20.07.2006 von sokol

Hi Helene,
sehr interessanter Beitrag von dir!
Das Meidlinger 'L' ist mir natürlich ein Begriff & ich bin auch imstande, eine halbwegs brauchbare Imitation davon zu sprechen.
Vielleicht wär's an der Zeit, auch was über mich zu schreiben: Mühlviertler Dialekt (kommt nach wie vor im Mühlviertel zum Einsatz) sowie eine "abgespeckte" Version des Mühlviertler Dialekts (damit mich auch die Wiener verstehen) sind meine sprachlichen Varianten des täglichen Umgangs; im Beruf, wo ich oft mit deutschen Ansprechpartnern zu tun habe, ist oft eine "hochdeutschnahe" Aussprache erforderlich, um verstanden zu werden.
Ich kenne auch die Verhältnisse in Graz sehr gut, wo ich über 6 Jahre gelebt habe (allerdings hinsichtlich neuerer Entwicklungen seit den letzten 7 Jahren nicht mehr am Laufenden bin).
Für das Mühlviertel und überhaupt Oberösterreich (auch - mit nur geringen Einschränkungen - die Landeshauptstadt Linz) gilt, wie oben schon gesagt, dass Dialekt die hauptsächliche wenn nicht alleinige Sprache der täglichen Kommunikation ist.
In Wien und Graz verhält sich das aber anders, Hochdeutsch ist da auch schon in den Alltag eingedrungen; auch in Salzburg hat übrigens Hochdeutsch einen höheren Stellenwert als zB im (grösseren) Linz, doch kenne ich Salzburg nicht gut genug, um mehr darüber sagen zu "wollen".
Interessanterweise sind die Wiener gerade bei den eigenen Dialekten sehr 'heikel', d. h. etwa gerade das Meidlinger 'L' wird als soziales Merkmal empfunden ("Arbeiterschicht" oder schlicht im Jargon: "Prolo" ...), während man fremde Dialekte oft schön findet, besonders tirolerisch (und auch kärntnerisch).
Tatsache ist, dass in Wien die Wenigsten Dialekt sprechen, "wann immer nur möglich", sondern in manchen Situationen Dialekt sprechen (Beispiel: Eltern untereinander, Freunde untereinander etc.), manchmal aber Hochdeutsch (oder eine Annährerung davon: etwa am Amt, wenn man jemanden zurechtweisen will, oder immer öfter auch generell den Kindern gegenüber). Ausserdem spricht die jüngere Generation bereits überwiegend eine hochdeutsch klingende, jedoch noch viele dialektale Merkmale bewahrende Umgangssprache (ähnliches gilt übrigens auch für Graz).
Andererseits kenne ich konkret auch Wiener, die zwar Hochdeutsch erzogen worden sind, heute aber überwiegend Dialekt reden bzw. sagen wir einmal so: mit mir Dialekt reden, mit anderen Hochdeutsch (sich also dem Gesprächspartner anpassen).
Ich habe mich während meines Studiums intensiv mit den österreichischen Verhältnissen beschäftigt und bin zum Schluss gekommen, dass die Verhältnisse in zB Oberösterreich gar nicht so weit von jenen in der Schweiz verschieden sind (man muss dafür also nicht notwendig nach Vorarlberg schauen), jedoch gerade in Ost- und Südostösterreich Dialekt nicht uneingeschränkt 'positiv' empfunden wird, weil er dort auch eine soziale Komponente hat.
Das Ganze klingt jetzt vielleicht etwas 'hochgestochen'.
Vielleicht kann ja irgendwer damit was anfangen oder hat Fragen dazu ...
Ich möchte auch noch betonen, dass ich diese Problematik rein wissenschaftlich betrachten möchte, ich will da also keine Sprachpolitik machen oder nach "gut/schlecht" bewerten ... Fragen an mich werde ich gern (nach bestem Wissen & Gewissen) beantworten.
LG Hermann

Re: Soziolinguistische Situation in Österreich
20.07.2006 von doc

Hallo, nur eine kleine Bemerkung:
Was mich so stört bei den Wearner ist die Vermischung von Hochsprache
("a" und nicht "oa"), aber trotzdem dann die Kürzungen im Wort wie im Dialekt z.B. "Ich hab ja eh gsagt". Ekelig.

Re: Soziolinguistische Situation in Österreich
20.07.2006 von System1

Hallo, nur eine kleine Bemerkung:
Was mich so stört bei den Wearner ist die Vermischung von Hochsprache
("a" und nicht "oa"), aber trotzdem dann die Kürzungen im Wort wie im Dialekt z.B. "Ich hab ja eh gsagt". Ekelig.

ich weiss, dass es da starke Vorbehalte gibt, du stehst damit bestimmt nicht allein da

aber es ist eine Sprachform, die in Wien (und Graz, und anderswo) mittlerweile gewachsen ist - es handelt sich um ein Faktum (also etwas, das auch im alltäglichen Gebrauch untereinander verwendet wird und nicht einfach eine "Affektiertheit") und somit um eine "gleichberechtigte" Sprachform - ich sehe das vom neutralen, sprachwissenschaftlichen Standpunkt (übrigens, es ist nicht die Variante die ich spreche)

die Situation in Wien (Graz & anderswo) unterscheidet sich unter anderem auch dadurch vom restlichen Österreich

20.07.2006 von HeleneT

Mal differenzieren.....

Es gibt in Wien Dialekt und Vulgärsprache, würde ich mal so sagen. Viele Menschen schämen sich einfach für diese Vulgaritäten wo es permanent um brunzen, scheißen, budern, oasch & Co geht. Kann ich auch nachvollziehen.
Als Ostbahnkurti noch auf dem Trip drauf war habe ich auch nur seine Platten gehört, nicht seine Konzerte besucht. Als er dann auch sozialpolitisch unterwegs war hat er gesehen, dass es so nicht geht und hat weiter Dialekt gesprochen bzw. diese für mich lustige Mischung: nach der Schreibmaschine sprechen, also Dialektworte und Grammatik „hochdeutschen“.
Und darum geht es vielen. Kaum jemand kann und möchte sich heute noch mit einer Eitrigen, an 16-er Blech und an Buckel identifizieren und damit wird dann häufig Dialekt als ganzes abgelehnt.
Spricht man aber selbst einfachen Dialekt, dann steigen die Menschen gerne darauf ein und genießen es auch. Ich habe damit keine Probleme. Viele mögen sowohl meine Wortwahl und auch die Lautfärbung, selbst wenn sie nur hochdeutsch sprechen. Wobei, das Meidlinger „l“ kommt bei mir sowieso nur noch durch wenn ich schocksauer bin oder todmüde. Aber dann werde ich auch meistens vulgär
Die Kids heute, nun, sie sind heute eben Kids, sind mit RTL aufgewachsen und nicht mit Heinz Konrads und sind daher keine Madln und Buam. Und so sprechen auch viele die den Fernseher als Ersatzeltern hatten.

Bei mir war es so, dass meine Mutter versucht hat mir von vorneherein hochdeutsch beizubringen. Problem: sie kann es bis heute selbst nicht. Das heißt, das war: nach der Schreibmaschine sprechen, wie ich es liebevoll bezeichn. Also dieses. Was tust du denn heute machen? – weil es eben heißt: Wos mochst’n heit? – oder – Wos tuast’n heit?
Mein Hochdeutsch kam von Conny Froboes und Bill Ramsey wo ich mitgegrölt habe: Ich will nen Cowboy als Mann! Was ja auch nicht so ganz echt Hochdeutsch war. Als ich dann irgendwann mal bewusst gemerkt habe dass meine Umgebung anders spricht als ich soll, hab ich dann einfach auf „die Schreibmaschine“ gepfiffen und mich dem Dialekt angeschlossen was dazu geführt hat, dass ich dann in vornehmerem Haushalt auf Besuch lautstark von mir gegeben habe: I geh jetzt aufs Heisl scheißen! Ich fürchte, meine Mutter ist irgendwo versunken. Davor habe ich die gleiche Familie nur mit: Schau Tante! Ich habe Käsefüße! – schockiert, indem ich selbige auch stolz auf dem Esstisch präsentiert habe.
Und ich fürchte genau darum geht es: I geh jetzt aufs Heisl scheißen! Das will sich heute niemand mehr antun. Darum wird Dialekt in der Erziehung leider all zu oft abgelehnt. Aber Kinder finden immer einen Weg um ihre Eltern zu blamieren und wenn sie in der Straßenbahn lautstark nachfragen wo denn die Babys (eigentlich Buzis) denn jetzt wirklich herauskommen bei der Geburt.
Darum.... Äh wurscht, oder sausäitsch, wie es so schön neuenglisch heißt.

Und dieses: Ich hab ja eh gsagt
Verwende ich auch Es ist eben genau dieses: nach der Schreibmaschine sprechen, dieses: Ich bin ja äh brav aber eigentlich möchte ich jetzt brunzen, scheißen und oasch sagen, aber das darf ich jetzt nicht, darum hab ich es eh so gesagt *Zunge zeig* Es ist nicht gerade Baby-Sprache, es ist Kind-Sprache in die sich auch mal gerne „Erwachsene“ flüchten um Verantwortung für kraftvolleres zu umgehen. Würde ich mal so formulieren....

Und beim Durchlesen, meine Grammatik in dem Text ist zum Schei.... äh Mäusemelken! Aber ich bin schon zu müde. Darum: Wer Fehler findet darf sie behalten!

Re: Soziolinguistische Situation in Österreich
14.08.2006 von klaser

Ich stelle nur eine kurze, knappe Frage (naja, "eigentlich" 3 Fragen):
Wie steht ihr persönlich zum Dialekt, wann sprecht ihr warum Dialekt, welchen Stellenwert hat er für euch und in eurer (Heimat)-Region bzw. auch "Exilregion" (das wäre für mich, der ich Mühlviertler bin, Wien)?

Dialekt ist nötig, denn er hat mit Identität, aber auch Vielfalt zu tun. Ich spreche Dialekt, wo es geht, in jeweils angepasster Form. Weil mir das Verdrängen unserer Dialekte durch binnendeutsche Ausdrucksformen weh tut. Dabei versuche ich, Dialekt einerseits und Slang und gewaltlustige Neuschöpfungen (Bärenfut für Pelzhaube) andererseits auseinander zu halten. Nicht alles, was man im Norden nicht kennt, ist österreichischer Dialekt.
Was ist eigentlich der Unterschied zwischen österreichischem Dialekt und Österreichisch?

Re: Soziolinguistische Situation in Österreich
14.08.2006 von klaser

Hi Helene,
sehr interessanter Beitrag von dir!
Das Meidlinger 'L' ist mir natürlich ein Begriff & ich bin auch imstande, eine halbwegs brauchbare Imitation davon zu sprechen.

Das "Meidlinger L" ist ursprünglich ein slawisches, von den (u.a.) Ziegelbehm' mitgebrachtes. Könnte also auch "Favoritner L" heissen.

Re: Soziolinguistische Situation in Österreich
14.08.2006 von HeleneT

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen österreichischem Dialekt und Österreichisch?

Österreich gibt es, den österreichischen Dialekt nicht.
Wenn ein Vorarlberger und ein Wiener versuchen sich im jeweils heimischen Dialekt zu verständigen wird das sehr wahrscheinlich misslingen. Es sind zwei Fremdsprachen.

12.01.2007 von wuppl

steig mall in die uraltdiskussion ein... *g*

im alltag wird man wohl in wien wenig dialekt erkennen können (außer die mittlerweile passeefrage am karlsplatz `Host an Schülling?`

geht man allerdings nach getanem tagewerk ins beisl und trifft se mit de hawara, dann wirds oft kommod und da schmäh rennt

bedenklich jedenfalls finde ich auch die meines erachtens ekelhafte eindeutschung durch rtl und ko, die letzlich dazu führt, dass heutzutage die kids nichts mehr leinwand finden sondern maximal cool oder mega

essen schmeckt neuerdings lecker (*bäh*)

der feminististische jungmädchenklan postuliert heute den ausruf des erstaunens `oida´ als `oidi´, da schaudersts mich wahrhaft

und der türke am naschmarkt weigert sich, mir paradeiser zu verkaufen, weil er den paradiesapfel (ja es war ein paradeiser, weswegen adam&eva aus dem paradies flogen) nicht kennt

so bleben zum dialektln meist nur die freunde und ein paar bekannte über...

auch wenns viele andere verstehen würden...warum das so ist, vermag ich selbst auch icht zu erklären

positive vibrations

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Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekte.

Im österreichischen Volkswörterbuch gehen wir weiter und bieten eine einzigartige Sammlung von Dialekten, Austriazismen und generell wichtigen Wörtern in Österreich. Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig. Die Seite unterstützt auch Studenten in Österreich, insbesondere für den Aufnahmetest Psychologie und den MedAT für das Medizinstudium.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Zusätzlich umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich.

Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch viele regionale Dialektformen, hier besonders bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.

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